Bei den Zerspanern brennt der Kittel

PAL-CNC | Prüfung
Total verkopfte CNC-Prüfung?

Heute öffnet in Düsseldorf die METAV - Internationale Messe für Fertigungstechnik und Automatisierung. Bis zum 4. April 2008 trifft sich die Fachwelt, um sich über die neuesten Produkte, Trends und Innovationen in der Metallbearbeitung zu informieren. Mit dem Schwergewicht auf Werkzeugmaschinen, Fertigungssystemen, Präzisionswerkzeugen, automatisiertem Materialfluss, Computertechnologie, Industrieelektronik und Zubehör präsentiert sich das vollständige Spektrum der Metallbearbeitung. Aber diesmal gibt es was neu zu diskutieren: Das Thema CNC-Prüfung bei der PAL im Beruf des Zerspanungsmechanikers wird auf der Messe eine große Rolle spielen. Was ist passiert?

Ab dem Jahr 2009 werden Auszubildende, die den Beruf des Zerspanungsmechanikers lernen, mit neuen PAL-Befehlen in der CNC-Prüfung konfrontiert. Im Sommer 2009 ist es soweit, dann müssen Zerspanungsmechaniker-Prüflinge die neuen PAL-CNC-Befehle beherrschen, um ihre CNC-Prüfung ablegen zu können. Wie bereits Facharbeitergenerationen zuvor, werden die Prüflinge über einer schriftlichen Arbeit brüten. Es gilt, ein Formular mit lückenhaftem Programmvordruck korrekt auszufüllen.

Um der weiter fortgeschrittenen CNC-Technik Rechnung zu tragen, hat die Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) in Stuttgart neue PAL-Befehle mit mehr Programmierkomfort ersonnen. Lobenswerterweise orientiert sich eine erkleckliche Zahl der PAL-Befehle an der Norm DIN 66025, deren Befehlsvorrat die Grundlage für die Mehrzahl der Industriesteuerungen ist.

Etwa 45 Prozent der neuen PAL-Befehle sind jedoch völlig frei erfunden und weder in der DIN-Norm 66025 noch in einer realen Industriesteuerung zu finden. Extra für die Prüfung müssen daher die angehenden Facharbeiter Befehle lernen, die so an keiner Steuerung existieren.

Daraus ergeben sich teilweise Motivationsprobleme seitens der Auszubildenden und für den Ausbildungsbetrieb hohe Kosten durch zweigleisiges Ausbilden. Nach der Prüfung sollte der mühsam gelernte und zeitlich teuer erworbene PAL-Befehlsvorrat rasch vergessen werden, um nicht die Gefahr eines ernsthaften Maschinenschadens durch falsche Programmierbefehle hervorzurufen, was moderne Steuerungen durch Syntaxprüfung und Kollisionsüberwachung in der Regel gottlob zu verhindern wissen.

Deshalb sorgen die neuen PAL-Befehle für Azubi- und Lehrherrn nur für Frust, und sonst gar nichts. Die PAL beweist an dieser Stelle mal wieder ein Eigenleben (Geldverdienen mit Softwareherstellern). Das was die PAL da macht ist nicht DIN – gerecht, das heißt nicht normenkonform. Es ist wohl Aufgabe des Hauptausschusses der PAL den Vorgang zu bewerten und die Reißleine zu ziehen.

Viele Betriebe überlegen derzeit, wie sie das Vorhaben der PAL noch stoppen können.

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