Josef Weishäupl von der Berufsausbildung der ZF Passau GmbH in Passau sitzt für die IG Metall als Arbeitnehmervertreter im PAL Fachausschuss 1.54.0. Hier wurde vor einiger Zeit das Vorhaben des Arbeitskreises CNC-Technik der PAL diskutiert, in der Prüfung ab 2009, eigene PAL-Steuerungsbefehle einzuführen. Es muss davon ausgegangen werden, dass knapp die Hälfte der neuen PAL-Befehle frei erfunden sind und weder in der DIN-Norm 66025 noch in einer realen Industriesteuerung zu finden sind. Die Berufspraktiker in den Betrieben sind entsetzt und laufen jetzt Sturm gegen das PAL-Vorhaben. Auch die IG Metall hält nichts von der neuen CNC-Prüfung. Sie ist übrigens obligatorisch, also auch dann, wenn der betriebliche Auftrag als Prüfungsvariante gewählt wird. WAP sprach mit Josef Weishäupl über die geplante CNC-Prüfung.
Im PAL-Fachausschuss wurde das Thema CNC-Prüfung diskutiert. Was war Deine Position dazu?
Ich habe folgende Einwände gegen das Vorhaben, die ich auch in der Sitzung eingebracht habe. (1.) Die ZF Passau wird sich nicht mit der PAL-Steuerung befassen, unser Betrieb hat andere Programmiersysteme. (2.) Die Berufsschule ist mit CNC jetzt schon genug gefordert (Aussage unserer Lehrer vor Ort). (3.) Die Informationen über die neuen Zyklen kommen zu spät, bzw. schon 2009 nach diesen Zyklen zu prüfen, ist verfrüht. (4.) Was die PAL 2012 vor hat (Fünf-Achs-Bearbeitung usw.), ist unsinnig und von der Berufsschule nicht zu leisten.
Welches Ergebnis hatte die Beratung bei der PAL in Stuttgart?
Leider war ich mit meinen Einwänden in der Minderheit und wurde überstimmt.
| Das sind die Zahlen zum Beruf....
13.500 Jugendliche lernen derzeit den Beruf des Zerspanungsmechanikers. Darunter nur eine kleine Anzahl junger Frauen: genau 397. Regional betrachtet konzentrieren sind die Azubis auf die Bundesländer: Bayern, NRW und Baden-Württemberg. Einmal drin in der Ausbildung schaffen die Abschlussprüfung fast alle - 98%. Der Anteil der ausländischen Jugendlichen ist deutlich zurückgegangen: Waren es 1995 noch knapp 18%, ging dieser Anteil bis 2006 auf vier Prozent zurück. Von den schulischen Abschlüssen her weisen 77% einen Realschulabschluss aus, 15% haben einen Abschluss der Hauptschule. |
Was bedeutet das für den Betrieb?
Der Betrieb wird sich mit dieser Thematik nicht befassen. Außerdem wird ein Großteil der Auszubildenden überfordert sein.
Kann man jetzt nichts mehr machen?
In einer Umfrage, deren Ergebnisse mir seit Ende März vorliegen, haben sich alle Betriebe im Bezirk der IHK-Passau, die Zerspanungsmechaniker ausbilden, gegen das Vorhaben der PAL ausgesprochen.
Hauptbetreiber der neuen Prüfung sollen die Berufsschulen sein?
Nein, das stimmt so nicht, obwohl der Vorsitzende des Fachausschusses ein Berufsschullehrer ist. Die Berufsschule Passau hat auf meine Bitte hin alle Betriebe, die Zerspanungsmechaniker ausbilden, angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Ergebnis: Alle Betriebe sind gegen diese künstliche Aufblähung bei der PAL Steuerung. Die Stellungnahmen werden jetzt gesammelt und an die PAL geschickt.
Gibt es weitere Verbündete gegen das Vorhaben der PAL?
Auch bei den bayerischen Metallarbeitgebern ist das Thema behandelt worden und als negativ und als unnötig bewertet worden. Viele der Sachverständigen aus dem Neuordnungsverfahren, auch von der Arbeitgeberseite, sind gegen diese Form der Prüfung.
Was will die PAL mit dieser Änderung, die ja faktisch eine theoretische Aufblähung der Prüfung ist, erreichen?
Eins steht fest: In der betrieblichen Praxis brauchen wir diesen Firlefanz nicht!
Sollen die Azubis diese Steuerung nur für die Prüfung erlernen und dann vergessen? Den Azubis können während der Ausbildung nur Grundlagen vermittelt werden, Fünf-Achs-Bearbeitung gehört nicht mehr zu Grundlagen.
Wie geht's weiter?
Nächste Woche wird der Zerspanungsmechaniker Prüfungsausschuss der IHK Passau dieses leidige Thema wieder behandeln. Ich gebe nicht auf. Überall sollte das Thema jetzt diskutiert werden. Wir müssen unseren Protest gegen diese PAL-Posse organisieren. Die IG Metall muss uns dabei helfen.
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