Kfz-Servicemechaniker/in

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Die bessere Wahl: Kraftfahrzeugmechatroniker/in


Eine Missgeburt

Das NRW-Modell einer zweijährigen Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker verbessert die Situation am Ausbildungsmarkt nicht.

Konzeption und Planung enthalten dermaßen viele Kunstfehler, dass man nicht nur an der Kompetenz, sondern auch an den guten Absichten der Erfinder zweifeln muss. Für zusätzliche Miniberufe gibt es in Deutschland keinen Zukunftsmarkt. Einfachausbildung widerspricht den künftigen Interessen der Betriebe, die den flexiblen, prozesskompetenten und erfahrenen Facharbeiter brauchen. Eine eingeschränkte Praxisausrichtung auf einen eng spezialisierten Tätigkeitsbereich wäre von den vielfältigen organisatorischen Bezügen, den vernetzten, hierarchie- und abteilungsübergreifenden Zusammenhängen abgekoppelt.

Der Kfz-Servicemechaniker ist eine echte Missgeburt. Einige Fakten: Die Inhalte sind identisch mit den ersten beiden Jahren der Ausbildung zum »Kfz-Mechatroniker«. Die »Lernschwachen« sollen in denselben Klassen denselben Stoff mitmachen wie die »normalen« Azubis. Es kommt noch schlimmer: Für die Förderziele des Modells gibt es keinerlei rechtliche oder materielle Absicherung. Weder ist der Zugang für Hauptschüler 10 A rechtsverbindlich gesichert, noch gibt es ein begleitendes Förderprogramm, noch gibt es einen Rechtsanspruch auf den Durchstieg zum Kfz-Mechatroniker, auf den angeblich so großen Wert gelegt wird. Die Beteiligten haben hierzu lediglich Absichtserklärungen abgegeben. Eine Ausbildungsordnung ist kein Förderprogramm.

Das Ganze ist geplant für eine Branche mit rückläufigen Ausbildungszahlen. Die Plätze für den Miniberuf gehen zulasten der regulären Ausbildungsplätze. Außerdem spaltet man einen Beruf auf, der derzeit immer noch der größte Hauptschülerberuf Deutschlands ist. So werden lauter falsche Signale in der Öffentlichkeit gesetzt wie etwa, dass Hauptschüler offenbar in den regulären Kfz-Berufen nicht mehr ausgebildet werden können.

Das Ganze ist ein typisches Show-Projekt aus dem »Ausbildungskonsens«, auf den die NRW-Landesregierung ja seit Jahren schwört. De facto ist NRW dadurch immer mehr nach hinten gerutscht. 2003 ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um über 4000 zurück – ein trauriger Negativrekord. Damit steht NRW schlechter da als alle neuen Bundesländer zusammen. In einer solchen Situation erklärt der Arbeitsminister Harald Schartau, dass er die Ausbildungsabgabe ablehnt, die die Bundesregierung in der Agenda 2010 zugesagt hat. Da liegt der Skandal. Und der wird durch den Kfz-Servicemechaniker garantiert nicht kleiner.


Kriterien zur Neuschaffung von Ausbildungsberufen - Anwendung auf theoriegeminderte Berufe

Die Schaffung neuer Berufe hat für das duale System der beruflichen Bildung, für die Betriebe und für die beruflichen und sozialen Perspektiven junger Menschen weitreichende Auswirkungen. Daher verbietet sich jede etwaige Beliebigkeit nach dem Motto „Hauptsache weg von der Strasse“. Neue Berufe, insbesondere wenn sie unter der Zielsetzung geschaffen werden, benachteiligten Jugendlichen eine Arbeitsmarktperspektive zu geben und gleichzeitig die Ausbildungsmotivation der Betriebe zu erhöhen, müssen mindestens den im Folgenden genannten Kriterien entsprechen:

  1. Sie müssen arbeitsmarktfähig sein und auf die Ausübung einer qualifizierten ,,branchen- und bereichsübergreifenden Berufstätigkeit“ vorbereiten. Dies erfordert breit angelegte Kernqualifikationen, Qualifikationsinhalte, die eigenständiges Arbeiten in einer Vielzahl möglicher Einsatzbereiche ermöglichen.
  2. Neue Berufe müssen so geschaffen sein, dass sie Grundlagen für spätere Weiterbildung und Anschlussausbildung vermitteln und auf sich verändernde Anforderungen der betrieblichen und überbetrieblichen Facharbeitsmärkte vorbereiten.
  3. Sie müssen einem quantitativ ausreichenden und nicht nur kurzfristigen Bedarf an Tätigkeiten entsprechen und auf die von Arbeitsmarkt- und Berufsexperten prognostizierten Entwicklungen veränderter Tätigkeitsanforderungen vorbereiten.
  4. Es muss sich dabei um zusätzliche, durch das vorhandene Spektrum anerkannter Ausbildungsberufe nicht bereits abgedeckte Anforderungen und dementsprechende Ausbildungen handeln. Eine Verlagerung der bisherigen Ausbildung auf neu geschaffene Ausbildungsberufe würde nicht der Zielsetzung: Schaffung eines zusätzlichen Ausbildungsangebotes, entsprechen.
  5. Zur besseren Verbindung von Theorie- und Praxislernen muss das Erfahrungslernen Eingang in neue Berufsbilder finden; dafür sind didaktische Konzepte zu entwickeln und Erfahrungslernen in die Ausbilderqualifizierung aufzunehmen. Gerade das Erfahrungslernen erhöht die Erfolgschancen von Jugendlichen mit schlechteren Startchancen.
  6. Neue Berufe müssen zu einer vollwertigen gesellschaftlichen Anerkennung führen. Sie dürfen die Absolventen nicht als geringer qualifiziert stigmatisieren.
  7. Alle Berufe müssen zu Verdienstmöglichkeiten führen, die der Eingruppierung in die Fachkräftegruppen entsprechen (Facharbeiterecklohn).
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