2. Änderungsverordnung Maschinen- und Anlagenfüher/in 79 KB
Die bessere Wahl:
Wir empfehlen: die neugeordneten Metallberufe.
Wir haben hier den besonderen Fall, das der Verbandsvertreter (Gesamtmetall) im Sozialpartnergespräch erklärte, dass der Vorschlag nicht von ihnen komme, sondern vom DIHK. Er sei außerdem weder in der Namensgebung, in den Inhalten noch vom Zeitpunkt her mit Gesamtmetall abgestimmt.
Das Hauptproblem dieses Berufsvorschlags besteht darin, dass er nur schwer in den Kontext der bestehenden Berufe einzuordnen ist.
Als Illustration des Gemeinten: Der Vertreter von Gesamtmetall erklärte, dass für ihn ein solcher Beruf im Kern Handlangerarbeiten an Einzel-Maschinen zu erledigen habe, wie z.B. Teile von Transportmittel entnehmen und in eine Maschine ordnungsgemäß einlegen.
Folgt man dem Vorschlag des KWB ist das Berufsprofil wie folgt: Maschinenführer arbeiten in nahezu allen Produktbereichen und unterschiedlichen Branchen insbesondere der Industrie. Sie führen prozessorientiert Fertigungsaufgaben aus. Von besonderer Bedeutung sind die Steuerung des Materialflusses für Produktionsmaschinen und die Qualitätssicherung. Durch Anrechnung kann der Übergang in einen dreijährigen Ausbildungsberuf gefördert werden.
Qualifikationsschwerpunkte sollen sein:
- Werkstoffe, Werkstoffbearbeitung
- Maschinenelemente
- Messtechnik
- Produktionsbezogene Steuerung
- Einstellen und Handhaben von Produktionsmaschinen
- Materialfluss von Produktionsmaschinen steuern
- Warten von Produktionsanlagen
- Fehlerdiagnose in Produktionssystemen
- Qualitätsmanagement
Zum Vergleich die Beschreibung des Arbeitsgebietes des Fertigungsmechanikers:
FertigungsmechanikerInnen sind überwiegend in der Montage/Fertigung von industriellen Serienerzeugnissen tätig. Sie üben ihre beruflichen Aufgaben meist im Rahmen einer Prozesskette in Montagegruppen aus. Als Glieder von Prozessketten sind sie an der Prozesssicherung, der Einhaltung von Qualitätsstandards und an Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung von Prozessabläufen, Fertigungsqualität und Arbeitssicherheit unmittelbar beteiligt.
Zu seinen beruflichen Fähigkeiten gehört das Erkennen ihrer Aufgaben anhand von Montage- und Wartungsplänen, Konstruktionszeichnungen und Verfahrensanweisungen, stimmen die Verteilung der anfallenden Arbeiten in Gruppengesprächen untereinander ab, montieren Bauteile zu Baugruppen und Baugruppen zu komplexen Maschinen, Apparaten, Geräten oder Kraftfahrzeugen, verlegen, befestigen und anschließen elektrischer Leitungen, prüfen und einstellen von Funktionen an Baugruppen oder am fertigen Produkt, kontrollieren verantwortlich die ausgeführten Arbeiten und führen gegebenenfalls Nacharbeiten durch, nutzen für ihre Tätigkeiten vorgegebene Maschinen, Montage-Hilfseinrichtungen, Transportmittel und Werkzeuge, beteiligen sich aktiv an Gruppengesprächen zur Verbesserung von Prozesssicherheit und Qualität, zur Optimierung von Gruppenarbeitsplätzen sowie zur gruppeninternen Arbeitsabstimmung, führen und interpretieren Statistiken - insbesondere über Qualitätsdaten, arbeiten - insbesondere durch prozesssichernde Hinweise und Informationen - mit vor- und nachgelagerten Bereichen zusammen, führen die notwendigen Einstell-, Pflege- und Wartungsarbeiten an den von ihnen benutzten Einrichtungen, Maschinen und Werkzeugen durch.
Der/die FertigungsmechanikerIn hat seine/ihre Arbeitsaufgaben, Einsatzgebiete und Qualifikation im Bereich des(r) beantragten MaschinenführersIn.
Schließlich noch zum Vergleich das Profil des Teilezurichters / der Teilezurichterin:
Aufgaben und Tätigkeiten im Überblick
TeilezurichterInnen können in der industriellen Produktion auf verschiedenen Arbeitsgebieten eingesetzt werden: in der Be- und Verarbeitung von Blechen, Rohren und Profilen. Für Kessel, Blechverkleidungen, Rohrverbindungen oder Fensterrahmen aus Metallprofilen sägen sie die einzelnen Teile auf die geforderte Länge zu und schneiden die Bleche nach der zuvor aufgezeichneten Form aus. Je nach Blechdicke bedienen sie dabei unterschiedliche Maschinen. Sie versorgen auch Maschinen und Fertigungsanlagen mit den zu bearbeitenden Werkstücken und überwachen die meist automatisch ablaufenden Bearbeitungsvorgänge, z.B. das Drehen, Bohren, Fräsen oder Schleifen.
In der Montage von Serienerzeugnissen des täglichen Gebrauchs setzen sie gemeinsam mit Industriemechanikern, Automobilmechanikern oder anderen Facharbeitern das Gerät komplett zusammen. Diese Serienerzeugnisse können zum Beispiel Automobile, Fahrräder, Waschmaschinen oder Motorsägen sein.
Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es für TeilezurichterInnen in der industriellen Serienfertigung, insbesondere in der Metallindustrie, im Maschinen- und Gerätebau sowie im Fahrzeugbau. Ihr Arbeitsplatz ist in der Regel der Montageort, z.B. eine Fertigungshalle oder Werkstatt.
Die Auflistung der einschlägigen Berufsprofile in diesem Feld zeigt schon auf den ersten Blick und auch dem Nichtfachmann, dass es keine eindeutigen Aufgabenzuschneidungen für den neuen Berufsvorschlag gibt.
Der Fertigungsmechaniker mit 263 Neueinstellungen gestartet hatte 2001 genau 1.274 neue Ausbildungsverträge. Rund 32% der Verträge werden in den neuen Ländern abgeschlossen. Der Teilezurichter zum Vergleich hatte 1997 insgesamt 1.496 neue Verträge und im Jahr 2001 dann 2.404 neue Verträge. 40 % der Verträge werden in den neuen Ländern abgeschlossen.
Interessant ist auch ein Vergleich der schulischen Voraussetzungen im Einstellungsjahr 2001 für den 3-jährigen Fertigungsmechaniker und den 2-jährigen Teilezurichter:
| FertigungsmechanikerIn | HS 42,9 % | RS 46,5 % |
| TeilezurichterIn | HS 59,2 % | RS 11,2 % |
Obwohl der Teilezurichter als 2-jähriger Beruf der beabsichtigten Zielgruppe zuzuordnen wäre, zeigen sich keine eindeutigen Verschiebungen bei den schulischen Voraussetzungen.
Betrachtet man die schulischen Voraussetzungen und die Qualifikationen des Teilezurichters und des Fertigungsmechanikers bieten die beiden Berufe für den skizzierten Tätigkeitsbereich des Maschinenführers hinreichend eine Abdeckung für die Zielgruppe, die der KWB beschreibt. Eine angestrebte Ausweitung der Zahl der Ausbildungsverträge ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar, ebenso ist nicht erkennbar, dass bei Einführung des Maschinenführers verstärkt Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in den Genuss von Ausbildungsverträgen kommen. Nach Einschätzung von Sachverständigen der IG Metall wird es vielmehr eine Neuverteilung der Einstellungszahlen geben ohne die Gesamtzahl zu erhöhen. Des weiteren haben sich gestufte Konzepte in der Industrie nicht bestätigt.
Ganz interessant: Zwei Streiflichter zu den am Markt geforderten Anforderungen.
Die Stellenanzeige von X-ident technology GmbH beschreibt die Anforderungen dieser Firma an eine(n) MaschinenführerIn. Abgeschlossene handwerkliche Fachausbildung im technischen Bereich; beispielsweise EnergieanlagenelektronikerIn, DruckerIn.
Die IHK Montabaur hat im Rahmen der Weiterbildung in 24 Monaten Maschinenführer ausgebildet. Im Lehrgang wurden produktionstechnische wie betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sowie Führungsverhalten, Teamarbeit, Umweltschutz und Hygienebelange vermittelt.
Diese zwei Beispiele aus der derzeitigen Praxis zeigen, dass für Maschinenführer die Anforderungen nicht durch eine Schmalspurausbildung abgedeckt werden.
Ein 2-jähriger Ausbildungsberuf zum/zur MaschinenführerIn ist weder aus fachlichen, pädagogischen noch sozialen Erwägungen heraus erforderlich. Die bestehende Berufestruktur deckt die vom KWB beantragte neue Ausbildung ab.
Kriterien zur Neuschaffung von Ausbildungsberufen - Anwendung auf theoriegeminderte Berufe
Die Schaffung neuer Berufe hat für das duale System der beruflichen Bildung, für die Betriebe und für die beruflichen und sozialen Perspektiven junger Menschen weitreichende Auswirkungen. Daher verbietet sich jede etwaige Beliebigkeit nach dem Motto „Hauptsache weg von der Strasse“. Neue Berufe, insbesondere wenn sie unter der Zielsetzung geschaffen werden, benachteiligten Jugendlichen eine Arbeitsmarktperspektive zu geben und gleichzeitig die Ausbildungsmotivation der Betriebe zu erhöhen, müssen mindestens den im Folgenden genannten Kriterien entsprechen:
- Sie müssen arbeitsmarktfähig sein und auf die Ausübung einer qualifizierten ,,branchen- und bereichsübergreifenden Berufstätigkeit“ vorbereiten. Dies erfordert breit angelegte Kernqualifikationen, Qualifikationsinhalte, die eigenständiges Arbeiten in einer Vielzahl möglicher Einsatzbereiche ermöglichen.
- Neue Berufe müssen so geschaffen sein, dass sie Grundlagen für spätere Weiterbildung und Anschlussausbildung vermitteln und auf sich verändernde Anforderungen der betrieblichen und überbetrieblichen Facharbeitsmärkte vorbereiten.
- Sie müssen einem quantitativ ausreichenden und nicht nur kurzfristigen Bedarf an Tätigkeiten entsprechen und auf die von Arbeitsmarkt- und Berufsexperten prognostizierten Entwicklungen veränderter Tätigkeitsanforderungen vorbereiten.
- Es muss sich dabei um zusätzliche, durch das vorhandene Spektrum anerkannter Ausbildungsberufe nicht bereits abgedeckte Anforderungen und dementsprechende Ausbildungen handeln. Eine Verlagerung der bisherigen Ausbildung auf neu geschaffene Ausbildungsberufe würde nicht der Zielsetzung: Schaffung eines zusätzlichen Ausbildungsangebotes, entsprechen.
- Zur besseren Verbindung von Theorie- und Praxislernen muss das Erfahrungslernen Eingang in neue Berufsbilder finden; dafür sind didaktische Konzepte zu entwickeln und Erfahrungslernen in die Ausbilderqualifizierung aufzunehmen. Gerade das Erfahrungslernen erhöht die Erfolgschancen von Jugendlichen mit schlechteren Startchancen.
- Neue Berufe müssen zu einer vollwertigen gesellschaftlichen Anerkennung führen. Sie dürfen die Absolventen nicht als geringer qualifiziert stigmatisieren.
- Alle Berufe müssen zu Verdienstmöglichkeiten führen, die der Eingruppierung in die Fachkräftegruppen entsprechen (Facharbeiterecklohn).
Anschluss statt Ausschluss!
Erwin Vitt: Zweijährige Berufe helfen benachteiligten Jugendlichen nicht! (PDF,57 KB)
Warum zweijährige Berufe eine falsche Weichenstellung sind
Acht Argumente der IG Metall.
IG Metall lehnt zweijährige Ausbildung ab
Der Vorstand der IG Metall hat in einer Stellungnahme die Koalitionsvereinbarung der rot-grünen kommentiert. Zwei wichtige Punkte: Die im Kapitel Mittelstandsförderung vorgeschlagene Schaffung von zweijährigen Berufen wird abgelehnt. Er bedauert außerdem, dass es keine Aussage zu einem Bundesrahmengesetz in der Weiterbildung gibt.
Erwin Vitt: Zweijährige Ausbildungsberufe führen den Mittelstand ins Abseits
Pressemitteilung der IG Metall vom 04. November 2002


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