„SInn - Smarte Innovation" ist ein Verbundprojekt mit Beteiligung der IG Metall, unter der Federführung des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF) und in Zusammenarbeit mit dem VDMA und der RWTH Aachen, sowie mit Unternehmenspartnern aus dem Anlagen- und Maschinenbau. In dem Projekt geht es um die ganzheitliche Betrachtung des Produktlebenszyklus (PLC) und darum, sowohl Innovationspotentiale, als auch deren Hemmnisfaktoren ausfindig zu machen.
Es soll nicht nur geschaut werden, wie Innovationen im F+E-Bereich passieren, sondern an welchen Stellen der gesamten Wertschöpfungskette Potentiale liegen oder eben, woran es an den jeweiligen Schnittstellen scheitert. Diese Faktoren zu identifizieren und die daraus gewonnen Innovationsimpulse zurück in den F+E-Bereich fließen zu lassen (sog. „Gegenstromprinzip"), um den PLC kontinuierlich zu verbessern und innovationsfähiger zu machen, ist das Ziel des Forschungsprojektes. Dazu sollen praxistaugliche Methoden entwickelt werden, die dem Smart-Prinzip unterliegen.
Dabei steht S-M-A-R-T für:
„S" wie Systeme: Unternehmen werden immer komplexere Organisationsgebilde. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Netzwerken und internationalen Verflechtungen. In diesem Spannungsfeld zwischen Integrationsfähigkeit und Wahrung von Kernkompetenzen und der Unternehmensidentität befinden sich auch die Innovationsstrategien der Zukunft: sowohl die Komplexitätsbewältigung der eigenen Binnensysteme , als auch das „Handling" von Wertschöpfungspartnerschaften ist entscheidend, um innovationsfähige Organisationssysteme aufbauen und erhalten zu können. Dabei Rückt die Betrachtungsweise, jede Phase des Produktionslebenszyklus als innovationsrelevant zu sehen, in den Mittelpunkt.
„M" wie Menschen: Der Faktor Mensch ist die entscheidende Determinante, wenn es um Innovationen geht. Hier sollen alle potentiellen Innovationsakteure Beachtung finden. Denn jeder Arbeitnehmer ist an seinem Arbeitsplatz ein Experte für die Aufgaben, die er täglich zu bewältigen hat. Das Wissen und Know-How der Mitarbeiter ist tagtäglich entscheidend, wenn es darum geht, die Arbeitsvorgänge am Laufen zu halten und auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren.
Es geht darum, dem Faktor Mensch systematisch mehr Beachtung zu verleihen, wenn es um die Gestaltung arbeitsorganisatorischer Rahmenbedingungen geht und Sie an den Prozessen zu beteiligen, damit ihr Wissen dazu beitragen kann, an den jeweiligen Schnittstellen des PLC Verbesserungen zu erreichen, die letztlich die Innovationsfähigkeit des Gesamtsystems befördern.
„A" wie Antizipation: Innovationen entstehen meist, wenn „über den Tellerrand" geguckt wird. Die Relevanz von querliegendem Wissen, gesellschaftlichen Trends und Entwicklungen und die neuartige, kreative Kombination dieser Faktoren, sind oftmals ausschlaggebend für innovative Ideen. Daher ist es wichtig, auch Methoden und Ideen in den Blick zu nehmen, die abseits der gewohnten Bahnen entstehen. Auch dies ist eine Form von ganzheitlicher Betrachtung und eröffnet neue Wege und Möglichkeiten für innovatives Verhalten.
„R" wie Ressourcen: Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind Zukunftsthemen. Daher finden diese Faktoren auch im SInn-Projekt Beachtung. Doch damit ist nicht etwa eine (organisationale oder materielle) Beschneidung der Möglichkeiten gemeint. Lean-Konzepte und Vermeidung von Verschwendung selbst sollen als Innovationsquelle dienen und in Innovationsprozessen angewendet werden. Denn Innovationen sind nicht zukunftsfähig, wenn sie verschwenderisch mit Ressourcen umgehen. Dies gilt auch für den Faktor Mensch: Innovationen müssen ressourcenschonend und sozialverträglich sein.
„T" wie Technik: Was oft das Hauptaugenmerk ist, wenn von Innovationen die Rede ist, ist hier ein (wenngleich natürlich wichtiger) Faktor von vielen: die passende Technologie. Sie ist das Ziel und Ergebnis einer gelungenen Entwicklung. Die Identifizierung technikgebundener Treiber und Hemmnisse und die Nutzung neuer und branchenfremder Technologien ist eine Aufgabe im Projekt. Hier wird die Frage nach dem Innovationspotential bereits verwendeter Technik und der Innovationsförderlichkeit aus anderen Bereichen der Technologiewelt gestellt.
Schon anhand dieser Prinzipien wird deutlich, wie komplex sich das Thema Innovation gestaltet. Durch detaillierte Fallstudien und zahlreiche Interviews mit Beschäftigten und Führungspersonen aus dem Anlagen- und Maschinenbau, soll ein umfassendes Bild von den Innovationsprozessen und Abläufen in den Betrieb geschaffen werden, um allen Faktoren der Innovationsbetrachtung Rechnung zu tragen.
Wertschöpfungskette und Gegenstromprinzip
Ziele der IG Metall - Der Mensch im Mittelpunkt
Innovationen entwickeln sich nicht von selbst - Innovationen werden von Menschen gemacht. So logisch das klingt, so oft wird gerade der Faktor Mensch im Innovationsprozess ausgeblendet oder schlichtweg vergessen. Lange Zeit herrschte eine ausschließlich technikzentrierte Sichtweise in den Köpfen der Politiker, Managern und Entwickler vor und hat auch heute noch beharrlich bestand. Für die IG Metall steht der Mensch im Mittelpunkt, als Quelle von Kreativität, Innovation und Kompetenz. Die Erkenntnis, dass Innovation immer ein sozialer Prozess ist und der Mensch als Quelle von Innovationen zu sehen und zu fördern ist, - von der Erstausbildung an - ist das erklärte Ziel der IG Metall.
Darum setzen wir uns für innovationsförderliche Berufsbildungskonzepte, sowie Arbeitsbedingungen ein - nicht nur im Rahmen des SInn-Projektes. Wir sind davon Überzeugt, dass die berufliche Bildung einen entscheidenden Einfluss auf die Innovationsfähigkeit von Arbeitnehmern hat und dass sich diese Potentiale schon frühzeitig fördern lassen. Voraussetzung dafür sind innovationsförderliche Ausbildungsbedingungen in der Lehre und innovationsförderliche Arbeitsbedingungen im Berufsleben, wie etwa Handlungs- und Entscheidungsspielräumen der Beschäftigten. Mitarbeiterbeteiligung, kontinuierliche Fort- und Weiterbildung und Förderung von Interessen und Fähigkeiten sind entscheidende Faktoren, um Kompetenzen und Motivation der Beschäftigten aufrecht zu erhalten - zwei wichtige Komponenten für innovatives Handeln.
Es geht uns nicht nur darum, die Mitarbeiter als Träger von Ideen zu sehen, bei denen es nur darum geht, das „Gold aus ihren Köpfen" zu abzuschöpfen. Wir erwarten für gute Arbeit auch faire Leistungskriterien, Wertschätzung von Qualifikation und Können auf allen Ebenen, viel berufliche Autonomie und Entscheidungsspielräume für die Arbeitnehmer. Den Zusammenhang von Bildung und Innovation zu erkennen und zu verdeutlichen und dabei den Mensch in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen, ist das Anliegen der IG Metall im SInn-Projekt.
Es muss klar werden: innovative Betriebe und Unternehmen zeichnen sichdurch innovative Mitarbeiter aus. Und dies wiederrum ist eine Frage, wie man seine Mitarbeiter qualifiziert.
Das Projekt „Smarte Innovation" läuft bis Ende Mai 2011, die Ergebnisse der Studie werden im Sommer 2011 verfügbar sein. Weitere Informationen unter:
www.smarte-innovation.de und unter www.igmetall-wap.de/node/4091
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

